NBA15: Warum so viele scheitern: Agilität ist ein Mindset!
Shownotes
Über Feedback freue ich mich immer: nobsagile@gmail.com. Ihr erreicht mich auch auf Mastodon unter https://mastodon.social/@nobsagile.
Kommentare und Diskussion gerne hier: https://forum.no-bullshit-agile.de/d/31-nba15-warum-so-viele-scheitern-agilitaet-ist-ein-mindset
Zusammenfassung
In Folge 15 von No Bullshit Agile geht Thomas der Frage nach, warum viele Agile-Implementierungen scheitern und erklärt, dass Agilität vor allem eine Denkweise, ein Mindset ist. Viele Organisationen missverstehen Agilität und verwechseln sie mit der Nutzung von Frameworks wie Scrum oder Kanban, ohne das zugrunde liegende Prinzip zu verstehen.
Thomas hebt hervor, dass Agilität nicht einfach bedeutet, Methoden oder Tools zu verwenden, sondern eine Haltung erfordert, die Flexibilität und kontinuierliches Lernen betont. Die Essenz von Agilität liegt darin, sich an sich ändernde Anforderungen und neue Erkenntnisse anzupassen, anstatt starr an vorab definierten Plänen festzuhalten.
Er erklärt, dass Agilität besonders dann wichtig ist, wenn Projekte Neuland betreten, unklare Anforderungen bestehen und kontinuierliches Feedback notwendig ist. In solchen Fällen ist Agilität der effektivste Ansatz, um Verschwendung zu vermeiden und echten Wert zu schaffen.
Abschließend betont Thomas, dass die Implementierung von Agilität mehr ist als das Befolgen von Regeln; es erfordert das Verinnerlichen der Agilitätsprinzipien und des Agile Manifests. Um wirklich agil zu sein, muss man die Prinzipien verstehen und umsetzen, nicht nur die Praktiken übernehmen.
Links
Letzte Folge NBA14: Peer Feedback
NBA05: Ist das Agile Manifest noch relevant?
NBA06: Die 12 Agilen Prinzipien
Umfrage
Transkript anzeigen
Hallo und herzlich willkommen bei NoBullshit Agile. Mein Name ist Thomas. Ich bin Teil eines agilen Teams und bespreche hier jede Woche Themen aus der agilen Projektwelt. Dabei orientiere ich mich an den großen Kategorien Menschen, Teams Kunden, Projekte und Agilität. Mein Fokus liegt auf der Praxis, daher auch der Name NoBullshit Agile. In der letzten Woche habe ich über ein Verfahren gesprochen, dass jedem im Team ein regelmäßiges Feedback garantiert, das sogenannte Peer Feedback. Wenn dich das interessiert, hör gerne rein. Den Link dazu findest du wie immer in den Shownotes. Das ist die Folge 15 und heute geht es darum, dass Agilität ein Mindset ist. Okay, steigen wir in das Thema ein. Wenn man sich mal umguckt auf Social Media oder wenn man andere Podcasts zur Agilität hört oder im Reddit oder im Fohrenbass liest oder auch in Artikel liest, ihr werdet feststellen oder auch schon festgestellt haben. Viele Leute haben große Schwierigkeiten mit der Agilität. Die meisten, zumindest meine Erfahrungen, verwechseln so was wie wir machen Scrum, entklammern nicht so ganz oder wir machen Kanan oder wir haben Jira oder wir machen doch regelmäßig einen Daily oder ich bin PO mit Agilität und wundern sich dann, dass das alles nicht funktioniert. Viele sind dann tatsächlich einfach nur frustriert und die Frage ist, warum ist das so? Und ich würde mal anfangen mit, was ist denn überhaupt die Erwartung? Ich habe immer den Spaß gemacht und mal geroogelt, why Agile und ich kann euch nur empfehlen, das auch mal zu tun. Was man da so liest bei den ersten Treffern, alleine in den Snippets, die Google einem da gibt, da sieht man das Drama schon. Nur mal ein paar Zitate. Agile Methods can help teams manage work more efficiently and do the work more efficiently while delivering the highest quality product with the constraints of the budget. Da ist jetzt auf einmal Budget mit drin und es geht um Effektivität und höchste Qualität und das soll eine Definition oder eine Antwort auf die Frage sein, warum überhaupt Agil sein. Das nächste Zitat Agile Development is important because it helps to ensure that development teams complete projects on time and within budget. Da ist auch schon wieder so viel falsch dran. Was heißt denn das Projekt und wie soll man denn, wenn man was Neues macht, am Anfang wissen was hinten rauskommt und wie kann man denn dann sagen, dass das Projekt, das man noch nicht mal definieren kann, on time ist und auch noch within the budget oder was ich auch gefunden habe, ziemlich weit oben. Ich glaube dritter Treffer, so eine Top 10 Liste, why agile und da war ein Punkt, better project control. Agilität hat doch mit Projektmanagement und Projektcontrolling überhaupt nichts zu tun. Wie gesagt, da sieht man das ganze Drama schon und da sieht man auch sofort, warum Leute frustriert sind und sagen Agilität funktioniert nicht. Ich kann euch wirklich nur den Tipp geben, googelt mal selber ein bisschen. Das ist schon erhellend und teilweise wirklich auch erheitant, wenn es denn nicht so traurig wäre. Da sind jetzt auch, ich sage mal, nicht falsche Sachen dabei, aber das Fundament, der Grund für die Agilität wird da überhaupt nicht aufgegriffen. Ein paar Dinge davon, zum Beispiel gute Qualität oder eine gute Auslieferung, das ist schon alles richtig und dass man damit auch eine gewisse Art von Budget Controller hat, wenn man in kleinen Versionen arbeiten ist auch alles richtig. Aber der Grund für warum möchte ich ein Projekt Agil machen, der findet sich da einfach überhaupt nicht wieder. Die erste Frage, die ihr euch mal stellen könnt ist, was mache ich denn, was ist meine Tätigkeit, was für Projekte habe ich denn? Und wenn ihr feststellt, eigentlich machen wir immer das gleiche, wir reproduzieren, dann frage ich euch, warum wollt ihr Agil sein? Also falls ihr in dieser Situation seid, denkt da mal drüber nach. Agilität ist eine Methodik, die eingeführt wurde, weil sie anerkennt, dass wir eben nicht immer das Gleiche machen. Wir regelmäßig, gerade in der Softwareentwicklung, machen wir halt neue Dinge. Wir betreten permanent Neuland. Da sind Teile dabei, wo wir auch reproduzieren. Ja, aber in der Regel ist jedes Projekt einfach anders. Jedes Projekt hat seine Eigenart und tatsächlich ist es auch so, wenn Kunden mal ganz ehrlich sind, dann können sie auch gar nicht wirklich vollständig beschreiben, was ihre Anforderung ist. Und das ist ganz natürlich, das ist überhaupt kein Vorwurf an irgendwen, das kann nämlich kein Mensch. Wir werden in Projekten immer schlauer und das wollen wir anerkennen. Das heißt, wenn wir immer das Gleiche tun, also wenn wir keine Ahnung, zum Beispiel VW sind und einen Golf bauen, dann ist uns vollkommen klar, was wir tun müssen, damit da hinten ein Golf raus kommt, wir reproduzieren. Und da brauche ich einfach keine Agilität. Aber sobald ich eben kein Golf mehr baue, wird eine Definition am Anfang von einem Projekt nicht das Ergebnis liefern, was ich brauche. Und das ist das Fundament und der Hauptgrund, warum wir überhaupt an Agilität denken und sagen, wir brauchen einen anderen Ansatz, wie wir Projekte entwickeln. In so einem Umfeld, wo am Anfang nicht klar ist, was hinten rauskommt, brauchen wir die Agilität, weil wir die Faktoren einfließen lassen wollen, wie ein Learning während des Projekts. Wir wollen anerkennen, dass wir zwar die ersten Anforderungen gut definieren können, wir dann aber eben in einem Feedback-Zyklus auch Erfahrungen sammeln wollen. Wir wollen auswerten, funktioniert das, was wir da bauen so, wird das von Kunden angenommen, ist die Bedienung gut und dieses Feedback wollen wir einfließen lassen. Und das bedeutet eben tatsächlich, wir können am Anfang keinen großen Plan aufstellen und deswegen können wir auch nicht über Timings reden und deswegen können wir auch nicht über Budgets reden. Wir können für einen kleinen Teil für den Anfang über Timing und Budget sprechen. Ganz klar, aber eben nicht über ein Projekt, was ein halbes Jahr läuft. Wir kennen zum Beispiel auch den Markt nicht gut genug. Wir wissen eben nicht, ob die Software, die wir da entwickeln, vom Markt angenommen wird. Das ganze ist ein Experiment, es ist ein Neuland und wir müssen gucken, dass wir Agil darauf reagieren. Und in so einem Umfeld ist es dann tatsächlich so, dass ein Agilesvorgehen relativ gesehen das schnellste Vorgehen ist. Das schnell ist ja in der Agilität auch stark verknüpft. Zumindest habe ich das Gefühl, dass das in den Köpfen von den Leuten stark verknüpft ist. Lasst uns mal Agil sein, weil dann geht alles viel schneller. Aber das ist auch ein Trugschluss. Agil heißt nicht schnell, sondern Agil heißt beweglich. Und wir sind dann relativ gesehen mit einer Agilität in einem unbekannten Umfeld bestimmt schneller, ob das absolut sehr schnell ist, sei dahingestellt. Es ist das beste Verfahren, das beste Verfahren, um zum Beispiel kein Waste zu produzieren, dadurch, dass wir die Erkenntnisse immer einfließen lassen. Vielleicht nochmal ganz kurz zusammengefasst. Ihr solltet euch wirklich ehrlich fragen, was für eine Art von Tätigkeit mache ich oder machen wir im Team. Ist es eher das gleiche immer und immer wieder? Oder ist es wirklich so, dass es eine große Komponente von Neuland permanent hat? Und wenn es immer das Gleiche ist, braucht ihr nicht Agil zu sein. In der Situation wird Agilität sicherlich das schlechtere Verfahren sein. Wenn ihr reproduziert, könnt ihr ganz klassisch planen, wann ihr was macht. Und das ist auch vollkommen okay. Es geht um Projekt- und Anforderungen, die uns eben in unbekanntes Land führen, wo die Anforderungen nicht klar sind. Jetzt hatte ich ja gesagt, Agilität ist ein Mindset. Das heißt, wie kann ich denn jetzt wirklich Agilität umsetzen, wenn ich in so einem beschriebenen Umfeld bin? Und ich sage deswegen, es ist ein Mindset, weil es eigentlich erstmal nicht viel braucht. Es braucht das Agile-Manifest, die vier Punkte aus dem Agil-Manifest. Dazu hatte ich mal detailliert in der Folge fünf gesprochen und die Ergänzung zum Agil-Manifest, die zwölf Agil-Prinzipien. Da hatte ich in der Folge sechs drüber gesprochen. Und wenn man sich daran hält und das wirklich einsinken lässt und deswegen ist es ein Mindset, dann seid ihr auf einem guten Weg hin zu Agilität. Ich kann gut nachvollziehen, dass die natürliche Zukunft dann ist, zu sagen, okay, und was sind die Regeln, weil das Agile-Manifest eben nur ein Manifest ist. Und deswegen verstehe ich auch, dass Leute in so was wie einen Scrum-Guide gucken und sagen, okay, dann ist Scrum das Framework, was uns dazu bringt, Agil zu sein, weil da klare Regeln definiert sind. Und wir Menschen halt uns gerne auch an Regeln oder Spielregeln orientieren. Aber nur weil ich Scrum mache, bin ich noch lange nicht Agil. Viel zu viele Leute machen zum Beispiel Scrum. Das gilt übrigens auch für Kan-Man oder andere Verfahren. Halten sich ans Regelwerk, ans Playbook sage ich mal und wundern sich, warum sie nicht Agil sind. Das liegt eben daran, dass das Regelwerk nur eine untergeordnete Rolle spielt. Da fehlt das Verständnis für das Fundament, die Agil-Prinzipien und das Agile-Manifest. Kann man Scrum einen Daily tools wie Gira oder Trello und was es nicht noch alles gibt Rollen wie Scrum-Master und P.O. sind untergeordnet. Sie sollen dann nur eine Hilfestellung sein. Das kommt on top oben drauf und zu aller erst mal müsst ihr die Agil-Prinzipien verstehen. Ihr müsst zuallererst mal schauen, ob euer Umfeld überhaupt geeignet ist, ob ihr das Mindset habt, ob das angekommen ist, das Mindset. Wenn das nicht der Fall ist, würde ich nicht gucken, zum Beispiel, warum funktioniert Scrum nicht bei uns, sondern ich würde gucken, warum verstehen wir die Agilität nicht. Vielleicht passt es nicht zu euch. Vielleicht müsst ihr wirklich an den Mindset zum Beispiel arbeiten. Parallel zu dieser Folge starte ich auch eine Umfrage. Mich wird mal interessieren und so wird die Frage auch lauten, wie zufrieden seid ihr mit der Agilität bei euch im Unternehmen? Die Umfrage starte ich auf Mastedon und link in den Links jeweils gibt es hier in den Show-Notes. Ich denke, damit sind wir heute durch. Mich wird stark interessieren, wie eure Meinung dazu ist. Ich weiß, dass es sicherlich eine eher polarisierende Folge ist. Mich würde mal interessieren, welche Erfolge ihr habt, wie ihr das alles in der Praxis erlebt, ob das bei euch auch eine Diskussion dazu gibt, wie agil sind wir oder ob ihr euch einfach nur an einen Framework orientiert, ob ihr Probleme mit der Agilität habt. Deswegen gibt mir da gerne ein Feedback. Es gibt mir ihre Wege, wie du mich erreichen kannst. Einmal per Mail an nobius@gmail.com. Wenn du auf Mastedon bist, findest du mich auf mastedon.com/social und zu jeder Folge gibt es einen Voranbeitrag im Forum. Alle Links, die du brauchst, findest du in den Show-Notes. Habt eine ganz tolle Woche und bis zum nächsten Mal. Bye. [Musik] [Musik] SWR uso
Neuer Kommentar