NBA48 - WiP Limits Deep Dive

Shownotes

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NBA47: Eure schönsten agilen Erlebnisse

Jahresrückblick 2024

WiP Limit Simulator

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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen bei No Bullshit Agile. Ich bin Thomas, ich bin Teil eines agilen Teams und hier geht es jede Woche um die echten Herausforderungen in der agilen Welt. Praxisnah und direkt auf den Punkt.

00:00:13: Agilität ist kein Hype und keine Sammlung von Buzzwords und Agilität ist auch nicht tot, auch wenn das immer wieder behauptet wird.

00:00:21: Agiles Vorgehen ist für mich das einzig sinnvolle Vorgehen. Leider wird zu viel Bullshit obendrauf gepackt und dem möchte ich mit diesem Podcast entgegnen.

00:00:30: In der letzten Folge haben wir uns eure schönsten agilen Erlebnisse aus 2024 angehört. Ich hatte jeden Gesprächspartner, den ich im Podcast hatte, genauso eine Frage gestellt und die letzte Folge ist praktisch ein Zusammenschnitt von den Antworten.

00:00:45: Wenn dich das interessiert, hör da gerne rein. Alle Links, die ich hier erwähne, findest du in den Shownotes.

00:00:51: Heute in der Folge 48 möchte ich einen kleinen Deep Dive zu WiP Limits machen. Ich habe mich in letzter Zeit mit dem Thema ein bisschen intensiver beschäftigt und habe mir gedacht, ich trage das hier einfach in der Folge mal zusammen.

00:01:02: Ein Ergebnis ist übrigens der WiP Limit Simulator, den ich programmiert habe. Damit kannst du verschiedene Szenarien für WiP Limits auf einem Board testen und ausprobieren, eben WiP Limits simulieren. Den Link dazu findest du auch in den Shownotes und dazu habe ich auch ein ein kleines Erklärvideo mal gemacht, wie der funktioniert. Auch der Link ist in den Shownotes.

00:01:26: Bevor wir in das Thema einsteigen, vielleicht ein bisschen Housekeeping. Ich habe über die Jahre, tolle Formulierung finde ich immer, einen kleinen Artikel geschrieben, der so die Zusammenfassung macht für das Jahr 2024. Ein paar Zahlen hier zum Podcast. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an alle, die mich hier tatkräftig unterstützen. Das ist eine ganz tolle Sache.

00:01:49: Genau. Wenn dich das interessiert, wie sich der Podcast so zahlenmäßig entwickelt, schau einfach mal in den Artikel rein.

00:01:57: Ja und dann würde ich sagen, wir steigen mal in das Thema ein. Zuallererst mal einen kleinen Überblick. Was habe ich so vor? Was sind so die einzelnen großen Überschriften?

00:02:06: Das erste, was wir natürlich machen, ist eine kleine Einleitung, warum WiP Limits überhaupt wichtig sind. Und das nächste, was wir uns angucken, ist, was sind die Auswirkungen, wenn ich denn zu viel Work in Progress habe, zu viel Arbeit jongliere.

00:02:21: Dann möchte ich gerne darauf eingehen, wie WiP Limits denn wirklich funktionieren und welche Vorteile sie haben. Und natürlich ein bisschen was dazu erzählen, welche Herausforderungen gibt es denn für WiP Limits.

00:02:32: Dann soll es nochmal ein bisschen um Best Practice gehen. Und zum Schluss habe ich noch so ein paar Praxistipps.

00:02:40: Wie gesagt, ich habe mich da intensiv mit beschäftigt. Wir nutzen WiP Limits, aber ich habe so das Gefühl, wir nutzen sie nicht gut. Da ist noch mehr rauszuholen. Und das war so meine Situation.

00:02:52: Vielleicht fangen wir mal an mit einer kleinen Einleitung. Warum sind WiP Limits überhaupt wichtig? Also WiP, Work in Progress, ich denke, das ist einfach jedem klar.

00:03:01: Die grundsätzliche Definition von WiP Limits ist, die Anzahl der Tickets, also Work in Progress, die gleichzeitig innerhalb einer Aktivität bearbeitet werden dürfen, wird limitiert.

00:03:14: Ich limitiere also künstlich meine Arbeit. Wenn ich ein echtes Fließband mir vorstelle und wenn wir einfach mal so denken, wir haben so Arbeitsschritte, ein Fließband, dann sind die natürlich in der physikalischen Welt direkt limitiert.

00:03:29: Ach, ich mache mal das schöne Beispiel Autobau, Fließband und nehmen wir mal an, da gibt es eine Station Lackiererei und die ist künstlich, äh, nicht künstlich, sondern eben natürlich beschränkt.

00:03:41: Also es dauert eben so und so lange, so ein Auto zu lackieren oder zu grundieren oder keine Ahnung, ich bin kein Autobauer, aber ihr wisst glaube ich, was ich meine.

00:03:50: In der virtuellen Welt haben wir das nicht. Wir können beliebig viele Ticket in Progress ziehen und dran arbeiten.

00:03:58: Das ist natürlich nicht gut, aber uns sinnert erstmal keiner, das zu tun. Das ist der große Unterschied zur physikalischen Welt.

00:04:05: So und das Grundproblem ist eben, wenn ich zu viel Arbeit in Progress habe, zu viele Bälle joggen hier, dann ist das kontraproduktiv.

00:04:17: Das sind so die üblichen Verdächtigen, ich zähle die trotzdem gern mal auf.

00:04:21: Also das erste und das größte Thema ist sicherlich Kontextwechsel.

00:04:25: Ja, ich wechsle halt die ganze Zeit von einem auf einen anderen Task und habe damit einfach riesige Reibungsverluste.

00:04:34: Die Qualität der Arbeit wird leiden, weil ich alles nur so ein bisschen mache.

00:04:39: Schlussendlich verlängert das einfach die Durchlaufzeit, es führt zu Überlastungen im Team und Engpässe werden verdeckt.

00:04:46: Ich erkenne die gar nicht erst.

00:04:47: Ist ja auch logisch, von außen, wenn man auf so ein Board guckt, dann sieht es so aus, oh ja, da ist viel in Arbeit und das ist ja auch eine schöne Sache.

00:04:55: Alle sind beschäftigt, aber wo jetzt wirklich ein Engpass ist, vielleicht im Bereich Testing oder vielleicht im Bereich technische Konzeption oder so, erkennt man erstmal gar nicht.

00:05:07: Und das nächste Problem ist, ich habe keine klare Möglichkeit der Priorisierung.

00:05:13: Alles ist wichtig, alles ist im Progress, im Zweifel wird auch nachgeschoben und nachgezogen und es ist überhaupt nicht mehr klar, was ist der Fokus, was sind unsere wichtigsten Storys, an denen wir gerade arbeiten.

00:05:26: Das alles stört den Flow und wir wollen, wenn wir über WiP und WiP-Limits reden, vor allen Dingen den Flow optimieren.

00:05:35: Das Flow optimieren ist sicherlich vor allen Dingen so eine Kannmann-Sache, aber das trifft ehrlich gesagt gar nicht auf die Methode zu, sondern Flow optimieren ist meiner Meinung nach immer ein Thema, egal welche Methodik ich da gerade anwende.

00:05:48: Also zusammengefasst, wenn du alles gleichzeitig machen willst, machst du am Ende nichts wirklich gut.

00:05:54: Es gibt dann noch einen Zusammenhang zwischen WiP-Limits und Agilität, den möchte ich hier auch gerne nochmal aufgreifen.

00:06:01: Flow optimieren, das ist ein großes Thema im agilen Arbeiten ist Fokus und Effizienz und es gibt so ein paar Dinge, die wir hier jonglieren.

00:06:12: Also WiP-Limits ist im Prinzip nur eine Spitze von einem Eisberg und darunter liegen eigentlich ein paar mehr Prinzipien.

00:06:20: Also Lean-Prinzip zum Beispiel, das kommt so aus der Lean-Production, Reduktion von Verschwendung.

00:06:26: Und Zeitverlust durch Multitasking ist einfach eine Verschwendung.

00:06:30: Dann, und da kommen wir noch ein bisschen intensiver nachher drauf, Little's Law, mathematischer Zusammenhang zwischen Durchlaufzeit, Work-in-Progress und Durchsatz.

00:06:39: Weniger Work-in-Progress, das behauptet Little's Law, bedeutet kürzere Durchlaufzeit.

00:06:45: Flow-Theorie.

00:06:46: WiP-Limits fördern kontinuierlichen Arbeitsfluss und das ist eben der Kern von der Agilität.

00:06:53: Man kann es aber auch noch so aus der Systemsicht sehen, nämlich Optimierung des Gesamtsystems statt einzelner Komponenten.

00:07:00: Und, hatten wir gerade schon, WiP-Limits decken eben überhaupt Engpässe erstmal auf.

00:07:05: Wenn ich nicht weiß, dass ich Engpässe habe, wenn ich sie nicht sehe, kann ich natürlich auch nicht an Engpässen arbeiten.

00:07:13: Ja, dann Fokus, Kontextwechsel und Fokus hatten wir auch schon.

00:07:16: Eine begrenzte Arbeit verbessert Konzentration und minimiert Fehler.

00:07:20: Und das steigert schlussendlich auch wieder die Effizienz.

00:07:23: Pull-Systeme.

00:07:25: Eigentlich kann man nur so richtig durch WiP-Limits auf ein Pull-System kommen.

00:07:31: Man kann natürlich pullen, aber wenn sich die Leute immer wieder neue Dinge pullen, dann ist das ehrlich gesagt nicht ganz das Pull-Prinzip.

00:07:39: Das ist zwar immer noch ein Teil davon, ja, aber erst wenn wirklich eine Station frei werden muss, damit das nächste gepullt werden kann, ist auch das Pull-System, das Pull-Prinzip besser unterstützt.

00:07:53: Dann haben wir ja übergreifend über agiles Arbeiten an ganz, ganz vielen Stellen im Kleinen und im Großen das Thema Feedback schleifen.

00:08:03: Wir wollen in Schritten arbeiten, wir wollen in Iterationen arbeiten, wir wollen schnell liefern, um schnell Feedback zu bekommen.

00:08:10: Und WiP-Limits hilft eben diese Feedback-Schleifen zu etablieren und sie effektiv zu nutzen.

00:08:17: Und es wirkt natürlich auf den Menschen, auf jeden Einzelnen im Team.

00:08:21: Wir haben das vorhin kurz angerissen.

00:08:23: Habe ich kein WiP-Limit?

00:08:25: Habe ich zu viel Arbeit, die gleichzeitig erledigt werden soll?

00:08:29: Das schafft Überlastung bei Leuten, ganz klar.

00:08:32: Stress und Burnout sind auf jeden Fall Themen, die man da sich angucken muss.

00:08:37: Zusammenfassend vielleicht, WiP-Limits sind eine praktische Umsetzung agiler Werte wie Full-Prinzip, Feedback und kontinuierliche Verbesserung.

00:08:46: Und damit hätten wir die Einleitung, warum WiP-Limits überhaupt wichtig sind, meiner Meinung nach zumindest, erstmal abgeschlossen.

00:08:56: Und ich würde gerne zum nächsten Thema gehen, nämlich die Auswirkung von zu viel Work in Progress.

00:09:01: Wir halten also auf diesem Punkt jetzt mal eine Lupe drauf.

00:09:04: Und das Erste, was ich mir aufgeschrieben habe, ist Kontextwechselkosten.

00:09:08: Multitasking senkt die Produktivität.

00:09:12: Es gibt Untersuchungen.

00:09:13: Ich habe mir da so ein, zwei Artikel zu durchgelesen.

00:09:17: Eine Zahl fand ich super interessant.

00:09:19: Das ist dir wahrscheinlich auch klar.

00:09:20: Aber in diesem Zusammenhang finde ich es nochmal wichtig.

00:09:23: Multitasking kann die Produktivität bis zu 40 Prozent reduzieren.

00:09:29: Ich habe jetzt unterschiedliche Zahlen gefunden.

00:09:31: Also auch sowas wie 50 und 55 Prozent.

00:09:34: Sowas wie 30 Prozent.

00:09:36: Ich glaube, es kommt gar nicht so genau auf die Zahl an.

00:09:38: Ich denke aber, es ist nicht 5 Prozent oder so.

00:09:42: Das bedeutet, es ist ein erheblicher Anteil.

00:09:45: Multitasking ist der Teufel.

00:09:48: Ich meine, ich kenne das bei mir.

00:09:51: Wenn ich auf einmal drei Sachen mache, mache ich alle drei Sachen nicht vernünftig.

00:09:55: Und das kostet mich hintenrum immer und immer wieder zu Problemen.

00:10:00: Kostet mich Probleme.

00:10:01: Macht mir immer wieder Probleme.

00:10:04: So muss es heißen.

00:10:05: Ihr kennt das vielleicht auch.

00:10:06: Die Qualität sinkt.

00:10:09: Man ist zwar gefühlt schneller fertig, aber kriegt dann irgendwie so einen Kundendialog, Kundenfeedback, dann auf einmal unheimlich viele Bugs gemeldet.

00:10:17: Also der Kontextwechsel ist der Teufel.

00:10:20: All das kann, also zu viel Work in Progress, zu Überlastung führen.

00:10:25: Qualitätseinbußen, habe ich eben gerade schon gesagt.

00:10:28: Burnout hatten wir auch schon.

00:10:29: Schlussendlich führt das auch einfach zu langsamerem Durchsatz.

00:10:34: Und genau, es verlängert die Durchlaufzeiten, also die Cycle Time.

00:10:41: Und solche Dinge sieht man übrigens sehr gut in diesem WiP-Limit-Simulator, den ich da vorhin angesprochen habe.

00:10:48: Dadurch, dass man da ein paar Parameter einstellen kann und so eine Simulation laufen lassen kann und der WiP-Limit-Simulator diese Daten auch sammelt und in Grafiken darstellt, sieht man eigentlich super, super schnell, was WiP-Limits wirklich bedeuten und wie die sich auswirken.

00:11:05: Also je mehr gleichzeitig in Arbeit ist, desto länger dauert alles.

00:11:09: Weniger Work in Progress bedeutet schnelleren Flow.

00:11:12: So kann man es eigentlich zusammenfassen.

00:11:14: Wie funktioniert denn jetzt WiP-Limits?

00:11:17: Also wir gucken uns so ein klassisches Board an und ich sage jetzt erstmal, weil man WiP-Limits auf verschiedene Stufen setzen kann, wir haben zwei Prozessschritte, nämlich einen Schritt, den nennen wir jetzt mal Step 1 und einen Schritt, den nennen wir mal Step 2 und etwas muss durch diese zwei Schritte gehen und dann ist es dann.

00:11:39: Jetzt versuchen wir, das Limit zu setzen.

00:11:45: Und das Erste, was wir machen können, das wäre dann eben auf diese Stufen im Workflow.

00:11:49: Wir setzen ein WiP-Limit auf den Step 1, sagen wir mal eine Zahl 5, maximal 5 Storys oder Tasks oder Items können in diesem Status sein und wir setzen auch ein WiP-Limit auf diesen Step 2 und da sagen wir, da können 7 drin sein.

00:12:05: So und jetzt haben wir das System beschränkt und sehen eben, wenn unsere Arbeit da durchfließt, was diese Grenzen für zum Beispiel den Durchfluss bedeuten.

00:12:17: Und von diesen Ansätzen gibt es jetzt verschiedene.

00:12:20: Ich kann auch ein WiP-Limit pro Person machen.

00:12:22: Ich kann auch sagen, jede Person kann maximal an einer Story arbeiten.

00:12:28: oder ich kann es pro Team festlegen.

00:12:30: Das ganze Team insgesamt kann maximal acht Dinge in der Luft haben.

00:12:35: Oder eben wie gerade beschrieben, pro Workflow-Schritt.

00:12:38: Schlussendlich soll das WiP-Limit auf dem Board visualisiert sein.

00:12:45: Also wenn wir an digitale Tools denken wie Jira, dann kann ich eben genau diese Dinge da einstellen.

00:12:51: Ich kann auf eine Spalte eben ein WiP-Limit vergeben und wenn ich das WiP-Limit überschreite, dann wird es in Jira rot.

00:12:58: Ich sehe eben einfach, alles klar, dieser Arbeitsschritt ist jetzt überlastet, dieser Prozessschritt.

00:13:06: Vorteile von WiP-Limit, wenn ich WiP-Limit einführe und sie auch tune, auch da kommen wir gleich in den Praxistipps noch zu, verringere ich meine Durchlaufzeit und ich erhöhe meine Qualität.

00:13:18: Das hatten wir vorhin schon erläutert.

00:13:21: Kontextwechsel wird vermieden, die Konzentration ist höher, die Leute haben keinen Burnout, die Qualität wird besser sein.

00:13:27: Und deswegen, ich bin schneller insgesamt gesehen und liefere eine höhere Qualität.

00:13:35: Und das sieht man auch wieder an diesem WiP-Limit-Simulator.

00:13:38: Es gibt so ein paar Nebeneffekte.

00:13:40: Die Teamkommunikation wird verbessert.

00:13:43: Zum Beispiel müssen sich die Leute darüber unterhalten, wenn ein WiP-Limit denn da ist, kann ich damit aushelfen an dem Bestehenden, um das WiP-Limit wieder zu beseitigen, die Blockade zu beseitigen.

00:13:55: Das ist ein kommunikatives Thema.

00:13:58: Und WiP-Limits geben die Möglichkeit, besser zu priorisieren.

00:14:01: Dadurch, dass nicht beliebig viel in einem Prozessschritt sein kann, muss natürlich klar priorisiert werden, was ist das Nächste.

00:14:11: Und mit WiP-Limits erkenne ich das erste Mal wirklich Engpässe.

00:14:16: Ist der Engpass vielleicht beim technischen Konzept?

00:14:19: Liegt der Engpass vielleicht bei dem Testing?

00:14:23: Sowas wird erst offensichtlich durch WiP-Limits.

00:14:28: Es gibt, zumindest habe ich das auch mal so festgestellt, tatsächlich ein paar Herausforderungen bei der Einführung.

00:14:35: Es kann sein, dass das Team zum Beispiel einen Widerstand hat.

00:14:39: Aber wir schaffen doch mehr.

00:14:41: Das ist ein Thema, das muss man im Team sicherlich auch besprechen.

00:14:45: Man muss sicherlich auch ein bisschen diese theoretische Herleitung dazu machen, wenn es denn solche Widerstände gibt.

00:14:52: Vielleicht ist ein Thema, die Angst vor Leerlauf.

00:14:57: Ja, was mache ich denn, wenn ich jetzt nicht arbeiten kann, so höre ich es manchmal zumindest, weil durch das WiP-Limit ich ja jetzt keine nächste Story pullen kann oder in den nächsten Prozessschritt bringen kann und daran arbeiten kann.

00:15:13: Da ist für mich immer das große Thema, ist doch toll, jetzt haben wir Slack-Zeit.

00:15:18: Du kannst dich jetzt mit Weiterbildungsthemen zum Beispiel beschäftigen oder das System beobachten und gucken, ob du nicht Optimierungen im Prozess findest.

00:15:26: Natürlich, und da kommen wir gleich auch nochmal drauf, es sollte nicht dazu führen, dass meine WiP-Limits so eng sind, dass ich keine gute Auslastung für mein Gesamtteam habe.

00:15:36: Das wäre wirtschaftlich natürlich ein echtes Problem.

00:15:38: Wenn 50 Prozent der Zeit die Hälfte des Teams nichts tun kann und diese Slack-Zeit hat, ja dann ist das finanziell wahrscheinlich ein absolutes Problem.

00:15:50: Kommen wir aber gleich auch nochmal drauf.

00:15:52: Ja und dann gibt es natürlich noch ein Thema, was eigentlich ein Vorteil ist, was ich gerade hatte, nämlich durch WiP-Limits ist die Priorisierung klarer.

00:16:00: Ich kann besser mit Priorisierung arbeiten, weil nicht zu viel gleichzeitig in der Luft ist.

00:16:05: Das kann natürlich auch gleich ein Problem sein, nämlich man muss ja sehr gut überlegen, was packe ich als nächstes in die Schlange.

00:16:12: Das ist ein Konflikt, also es kann auch ein Konflikt mit Kunden sein, aber das Problem ist eh da, ob ich WiP-Limits habe oder nicht.

00:16:22: Es geht ja darum, dass ich Dinge schnell fertig bekommen möchte, in einer guten Qualität, damit ich schnell ein Feedback bekomme oder das Ding schnell auf den Markt gehen kann.

00:16:32: Und nur weil ich WiP-Limits einführe, wird es jetzt nicht langsamer, ganz im Gegenteil, es wird schneller und dieses Priorisierungsproblem, was ich da habe, hatte ich davor auch schon.

00:16:43: Es war aber nicht offensichtlich und ich habe einfach viel ins System reingestopft und gesagt, na gut, wird schon gut gehen, ist alles wichtig, alles muss fertig werden und ohne WiP-Limits kann ich auch einfach alles reinpacken ins System.

00:16:56: Durch WiP-Limits hatten wir gerade schon bei den Vorteilen, muss ich jetzt aber sehr bewusst drüber nachdenken und mit dem Kunden im Zweifelsfall drüber sprechen, was packe ich als nächstes ins System.

00:17:08: Und das ist natürlich einfach ein riesen Vorteil auf einmal.

00:17:12: Dann würde ich sagen, schauen wir mal ein bisschen auf Best Practices.

00:17:14: Theorie soweit erstmal abgeschlossen.

00:17:17: Und eine große Frage ist für mich auch immer wieder ein Thema.

00:17:23: Wie legt man jetzt gute WiP-Limits fest?

00:17:26: Wie findet man die richtige Zahl?

00:17:28: Für mich, mein Tipp ist ja ganz klar, mit der Teamgröße starten.

00:17:33: Und man kann erstmal als Daumenregel Folgendes machen.

00:17:38: Man nimmt einfach die Köpfe, Anzahl der Teammitglieder und nimmt die mal 1,5, vielleicht maximal bis mal 2.

00:17:46: Das liegt daran, dass es doch immer Rüst- und Haltezeiten gibt.

00:17:50: Deswegen ist natürlich das mutig und man kann das auch gerne versuchen zu sagen, WiP-Limit ist die Anzahl der Teammitglieder und nicht nochmal 1,5.

00:17:59: Ich persönlich würde vorschlagen, fang mit mal 1,5 an.

00:18:03: Also wir machen mal folgendes.

00:18:05: Wir haben ein Team mit 5 Personen und damit starten wir von einem WiP-Limit zwischen 7 und 10.

00:18:11: Wir nehmen vielleicht 8.

00:18:12: So, jetzt ist natürlich noch eine Sache entscheidend.

00:18:17: WiP-Limit von 8 auf einer bestimmten Prozessspalte bedeutet natürlich, jeder aus dem Team muss diesen Prozessschritt auch können.

00:18:25: Das kann natürlich jetzt je Team und wie ihr aufgestellt seid und je Tätigkeit, die ihr habt, unterschiedlich sein.

00:18:33: Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, jeder im Team kann diese Tätigkeit, die in diesem Prozessschritt drin ist.

00:18:40: Wenn das nicht der Fall ist, muss man ein bisschen anders mit den Zahlen jonglieren.

00:18:44: Auch da hilft vielleicht der Simulator, um ein bisschen rumzuprobieren.

00:18:47: Aber schlussendlich, damit wir einen Startpunkt finden, würde ich sagen, Anzahl der Köpfe mal 1,5 ist eine ganz gute Zahl, um mit WiP-Limits zu starten.

00:18:57: So, und dann lasse ich das System laufen.

00:19:01: Und gerade in der Anfangsphase würde ich stark und regelmäßig beobachten, wie viele Aufgaben das Team dann wirklich in der Luft hat.

00:19:10: Wo sind die Engpässe?

00:19:12: Wo funktioniert ein WiP-Limit nicht?

00:19:15: Wo ist vielleicht die Auslastung immer noch zu hoch?

00:19:17: Oder wo ist die Auslastung vielleicht zu niedrig?

00:19:20: Um sich anzugucken, warum ist es hier gerade ein Engpass?

00:19:25: Und dementsprechend die WiP-Limit-Zahlen regelmäßig auch anzupassen.

00:19:31: Also, gesondert eine Retrospektive dazu halten, um zu schauen, wie funktioniert denn unser WiP-Limit gerade.

00:19:39: Und gemeinsam mit dem Team auch zu gucken, was bedeuten diese Zahlen für uns?

00:19:45: Wie verändert sich unser Durchsatz?

00:19:47: Wie ist unsere Auslastung?

00:19:48: Um diese Startzahlen dann zu tunen.

00:19:52: Aber so wäre mein Vorschlag, und so hat es bei mir auch immer gut funktioniert, an dieser Stelle anzufangen.

00:19:59: Um vielleicht nochmal ein bisschen genauer auf den Zusammenhang zwischen WiP-Limits und Durchsatz zu kommen.

00:20:06: Also der Durchsatz ist ja die Anzahl von Aufgaben, die in einer bestimmten Zeit abgeschlossen werden.

00:20:11: Und natürlich ist unser Ziel grundsätzlich, wir wollen diesen Durchsatz maximieren, ohne die Qualität oder den Workflow zu beeinträchtigen.

00:20:22: Das ist eine Abwägung.

00:20:24: Und ein Ansatz dazu, um, ich sag mal ein bisschen, das mathematische Fundament zu haben, ist das sogenannte Little's Law.

00:20:33: Also WiP-Limits mathematisch beeinflussen den Durchsatz.

00:20:39: Also wir haben die Durchlaufzeit, und das ist der Quotient aus Work in Progress durch Durchsatz.

00:20:47: Also Beispiel, ein Team hat zehn Aufgaben in der Arbeit, das heißt, sie haben ein Work in Progress von zehn, und sie haben einen Durchsatz von zwei Aufgaben pro Tag.

00:20:57: Dann teilen wir jetzt die zehn durch die zwei und kommen deswegen auf fünf Tage.

00:21:03: Unsere Durchlaufzeit ist also fünf Tage.

00:21:07: Und wenn wir jetzt mit WiP-Limits dieses System reduzieren und sagen, das Team hat Work in Progress nur noch fünf, dann kommt folgendes dabei rauf, also und der Durchsatz bleibt gleich, dann teilen wir fünf durch zwei und dann haben wir eine Durchlaufzeit von 2,5 Tagen.

00:21:28: Heißt also, wir haben die Durchlaufzeit in diesem Fall jetzt halbiert.

00:21:32: Das ist nur eine Beispielrechnung, um überhaupt mal zu erzählen, was bedeutet denn an dieser Stelle jetzt Flow-Optimierung und wie hängt das mit Little's Law, um Gottes Willen, ist ja aber ein schwieriger Name, zusammen.

00:21:46: Weil Little's Law kommt an dieser Stelle eigentlich immer.

00:21:49: So, Achtung, das ist auch logisch, das WiP-Limit kann ich nicht beliebig nach unten setzen.

00:21:56: Auch nicht beliebig nach oben übrigens.

00:21:58: Wenn ich das WiP-Limit jetzt, sage ich mal, radikal auf eins setze oder auf zwei, dann habe ich zwar eine Durchlaufzeit bei zwei von nur noch einem Tag, aber das Problem an der Stelle ist, Leute haben jetzt Slack-Zeit, also die Auslastung ist jetzt einfach stark runtergegangen.

00:22:21: Und ja, diese Abwägung zwischen einer guten Auslastung und einem guten Engpass, damit alles fließt, ist eine Sache, die man ausprobieren muss.

00:22:32: Wie gesagt, vielleicht ganz praktisch nochmal, dieses Beispielboard, was auch in dem WiP-Simulator ist, da habe ich halt eben ab nächst, da warten die Dinge, dann kommt Step 1, was auch immer Step 1 bei euch ist, dann kommt Step 2 und dann kommt schlussendlich dann.

00:22:49: Und schau dir einfach dein Team an und deine Prozessschritte und überlege, wie viele Menschen gleichzeitig an einem Prozessschritt, Step 1 und Step 2, arbeiten können.

00:23:00: Und nimm diese Zahl dann mal 1,5.

00:23:03: Und ich denke, das ist ein guter Start für so ein WiP-Limit für dann den jeweiligen Schritt.

00:23:10: Und dann ist es wichtig, messbare Verbesserungen festzuhalten, also die Cycle-Time, den Durchsatz, vielleicht auch sowas wie Fehlerquote, nicht, dass ihr zu schnell werdet und anfangt mit, ich sag mal, Puschen. Fehlerquote, Feedback-Schleife, kriegt man ziemlich schnell raus, ihr müsst die irgendwie erfassen.

00:23:31: Das Problem ist jetzt, wir nutzen Jira und ganz viele von euch garantiert auch, diese Cycle-Time und diesen Durchsatz, Jira lässt einem ums Verrecken das nicht ordentlich messen.

00:23:42: Es ist wirklich ein Trauerspiel, verdammt nochmal Atlassian, das kann doch alles gar nicht sein.

00:23:49: Aber ja, das wären meine praktischen Tipps und damit wären wir auch durch.

00:23:54: Ich hoffe, das hat dir Spaß gemacht.

00:23:55: Ich hoffe, du fandst das Thema interessant.

00:23:57: Ich kann mir gut vorstellen, dass für viele von euch das auch jetzt alles überhaupt nichts Neues ist.

00:24:02: Und trotzdem ist es ja manchmal so, wenn man am Stück das nochmal hört, beschäftigt man sich vielleicht aus einem ganz anderen Blickwinkel daraus.

00:24:09: Vielleicht ist es bei dir auch so, dass du sagst, oh, ja, stimmt, da könnte ich auch nochmal reingucken, ob bei uns nicht noch was geht.

00:24:14: Mich würde immer interessieren, wo steht ihr da?

00:24:17: Ist das ein No-Brainer für euch?

00:24:19: Habt ihr irgendwann entschieden, ey, Wiblimits machen wir nicht, das bringt uns nichts?

00:24:23: Sowas fände ich natürlich auch total spannend.

00:24:25: Wie auch immer, ich freue mich auf euer Feedback und eure Meinung dazu.

00:24:29: Auch gerne kritische Meinungen, schreibt gerne mit mir, diskutiert mit mir, diskutiert mit anderen.

00:24:35: Fände ich ganz toll, wie du mich erreichen kannst, auch das findest du immer in den Shownotes.

00:24:39: Eine Bitte habe ich noch, wenn euch das hier gefallen hat, teilt das gerne mit euren Kolleginnen und teilt es auf Social Media.

00:24:47: So können wir gemeinsam dafür sorgen, dass echte praxisnahe Agilität mehr Gehör findet.

00:24:52: Vielen, vielen, vielen Dank dafür.

00:24:54: Und ansonsten habt noch eine ganz tolle Woche und bis zur nächsten Folge bei No Bullshit Agile.

00:24:59: Vielen Dank.

00:25:06: Vielen Dank.

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