NBA73: Stories ohne Stories?

Shownotes

Shownotes Über Feedback freue ich mich immer: nobsagile@gmail.com. Ihr erreicht mich auch auf Mastodon unter https://mastodon.social/@nobsagile oder ihr hinterlasst mir eine Sprachnachricht: +4950329677123

NBA72: A Simple Guide To Scrum

  • https://no-bullshit-agile.de/nba72-a-simple-guide-to-scrum.html

Transkript anzeigen

00:00:00: Hallo und herzlich willkommen bei No Bullshit Agile. Mein Name ist Thomas.

00:00:06: Jede Woche spreche ich hier kurz und knapp über Themen rund um agiles Arbeiten. In der letzten

00:00:11: Folge ging es um den Simple Guide to Scrum. Das ist ein Vorschlag für einen Scrum Guide auf einer

00:00:17: DIN A4 Seite. Wenn dich das interessiert, hör da gerne rein. Den Link, wie alle Links, die ich hier

00:00:22: erwähne, findest du in den Shownotes. Heute in Folge 73 will ich darüber sprechen, wie viele

00:00:28: Informationen braucht eine Story? Was ist gut genug? Was lenkt vielleicht ab? Was ist vielleicht

00:00:33: sogar waste? Ja und ich würde sagen, wir steigen da auch gleich rein. Das Thema beschäftigt mich

00:00:39: tatsächlich schon ein bisschen länger. Ich frage mich und ich denke jetzt vor allen Dingen auch an

00:00:43: Jira. Ist es gut, was ich alles so in so eine Story rein packe? Also klar, da gibt es ein Ziel,

00:00:51: da gibt es eine Beschreibung, da gibt es Acceptance Criteria, aber da gibt es ja noch viel, viel mehr.

00:00:56: Labels. Bei uns ist es so, dass wir einige Custom Fields haben, um zum Beispiel Auswertungen zu

00:01:03: machen. Man ordnet das einem Epic zu. Man packt Screenshots mit in die Beschreibung oder weitere

00:01:10: Konzeptdokumente. Man verlinkt auf ein Confluence. Also, es steht schon ziemlich viel in so einer

00:01:16: Story drin. Und im ersten Blick ist es ja auch so, dass das Sinn macht. Ich möchte ja ganz gerne,

00:01:24: dass das Team möglichst gut darüber informiert ist. Was soll die Story erreichen? Dass wir eine

00:01:31: gleiche Idee davon haben. Und dann möchte ich natürlich dem Team weiteres Futter geben. Also,

00:01:37: ich hatte ja schon gesagt, vielleicht irgendwelche Screenshots oder Dokumentationen zu einer API oder,

00:01:43: oder, oder. Ihr kennt das selber. Und das fühlt sich für mich zumindest erst einmal natürlich

00:01:49: und richtig an. Auf der anderen Seite, wenn man ein bisschen länger darüber nachdenkt,

00:01:55: könnte das dazu führen, dass man auch Dialog vermeidet. Denn, wie gesagt, es steht ja alles

00:02:04: in der Story drin. Also kann man ja auch sagen, naja, warum soll ich denn nochmal über die Story

00:02:09: reden? Ich habe ja alles runtergeschrieben, was denn hinten rauskommen soll. Und Dialog ist doch

00:02:17: eins der großen Dinge im agilen Arbeiten. Und der Dialog soll ja deswegen stattfinden,

00:02:24: weil wir wissen, dass wir das, was rauskommen soll, gar nicht vollständig beschreiben können. Und wir

00:02:30: eigentlich nur durch so Micro-Feedback und Diskussionen dazu, während wir an einer Story

00:02:36: arbeiten, zu der für diesen Zeitpunkt richtigen Lösungen kommen. Und deswegen komme ich immer

00:02:44: wieder auf den Punkt, dass ich überlege, ja, wie viel ist genug für so eine Story? Ich bin

00:02:51: jetzt nicht so mutig, das muss ich auch klar sagen. Und ehrlich gesagt, ich kann es mir auch

00:02:56: nicht so richtig vorstellen, im Prinzip ganz auf eine Story zu verzichten. Also man könnte ja mal

00:03:02: hingehen, Mann, ich, und sagen, wisst ihr was? Wir lassen mal vier Wochen Jira zu und wir schreiben

00:03:11: einfach nur Karten und kleben die uns auf ein Whiteboard. Und tatsächlich, so was hatten wir

00:03:18: mal. Das ist auch schon ganz lange her, aber wir hatten mal ein riesiges Whiteboard und haben im

00:03:23: Prinzip mit allen vor diesem Whiteboard gestanden und sind dann die Karten in den verschiedenen

00:03:29: Spalten durchgegangen. Und wenn jemand was fertig hatte, ist er aufgestanden, hat auf dem Whiteboard

00:03:34: so eine Karte in einen anderen Status verschoben. Also wirklich ein physikalisches Board. Aus der

00:03:40: Zeit weiß ich aber auch, dass es eben alles nicht so trivial ist, denn ein paar grundsätzliche Infos,

00:03:45: die muss man ja dem Team mitgeben. Ich bleibe jetzt einfach bei API-Dokumentation. Das kann

00:03:51: man woanders machen, das kann man natürlich ins Confluence oder in Wiki oder in was weiß ich was

00:03:56: packen. Trotzdem ist es natürlich eigentlich auch wieder ganz gut, wenn es in der Nähe von der

00:04:01: Story ist. Die Leute also eben nicht auch noch dann im Confluence suchen müssen, ja, wo finde ich

00:04:07: denn jetzt die Doku dazu? Also die Idee ist zu sagen, wie detailliert muss eine Story sein? Und

00:04:16: es gibt natürlich zwei Extreme. Ein Extrem ist, es steht einfach alles, alles, alles in einer Story.

00:04:23: Und das andere Extrem ist, es steht so gut wie nichts in einer Story. Habe ich alles da drin

00:04:29: stehen, ist meine Hypothese und das ist glaube ich nicht nur meine, dass dann zu wenig über die

00:04:37: Story geredet wird. Steht gar nichts drin, ist die große Gefahr, dass zu viel über die Story

00:04:43: geredet wird oder deswegen Waste produziert wird, weil die Leute vielleicht nicht reden. Ich glaube,

00:04:49: ich denke, du weißt, worum es heute gehen soll und was ich damit meine. Ich würde ganz gerne jetzt

00:04:56: mal ein bisschen durchgehen, welche Vor- und welche Nachteile ich so sehe. Und wir wollen mal

00:05:00: anfangen mit den Vorteilen von minimalistischen Storys. Ich definiere jetzt nicht, was ist denn

00:05:07: minimalistisch. Ich glaube, auch das ist eher individuell. No size fits all. Und je nachdem,

00:05:14: wo ihr gerade steht, was für ein Projekt ihr habt, wo euer Team steht, ob ihr eine gewisse

00:05:20: Kundenbeziehung habt oder nicht, ist es auch unterschiedlich. Aber trotzdem. Also ein Vorteil

00:05:26: ist ganz klar, den hatten wir jetzt schon. So eine minimalistische Story lenkt den Fokus eher

00:05:31: aufs Gespräch. Man ist sicherlich fast genötigt, sage ich mal, mehrfach über das Ziel der Story

00:05:39: zu reden. Und das ist was Gutes. Ich habe das jetzt so Micro Feedback Loop genannt,

00:05:44: dass man mehr als einmal die Woche über eine Story spricht, sondern wahrscheinlich sogar mehrfach

00:05:52: am Tag. Der zweite Vorteil kann sein, es ist insgesamt weniger Overhead. Also ich produziere

00:05:58: vielleicht nichts Falsches, sondern wir reden regelmäßig darüber. Deswegen ist ziemlich klar,

00:06:02: was genau passieren soll. Man muss beim Pflegen einer Story weniger Zeit investieren. All die

00:06:10: Metainformationen müssen gar nicht mehr in diese Story rein. Ein dritter Vorteil kann sein,

00:06:15: weniger Micro Management, auch wenn das erst mal komisch klingt. Aber wie gesagt,

00:06:19: wir haben schon ein paar mehr Metainformationen in unseren Storys, weil Jira eben ja auch Custom

00:06:27: Fields ermöglicht. Und einige davon dienen tatsächlich auch für einen operativen Prozess.

00:06:34: Also wie funktioniert Zeiterfassung zum Beispiel? Daraus werden vielleicht Rechnungen erstellt.

00:06:39: Aber eben auch gewisse Dinge wie Kontrollen, sage ich mal. Also bestimmte Werte, die vielleicht

00:06:48: erhoben werden. Und das sind alles leichte Anzeichen. Ich würde das bei uns eher als

00:06:55: gering noch einschätzen. Ich weiß nicht, wie eure Boards so aussehen und was noch so in der Story

00:07:00: erfasst wird. Aber da kann eine Tendenz zum Micro Management drin sein. Der nächste Vorteil von so

00:07:07: minimalistischen Storys kann sein, dass damit so Team Engagement und Ownership verstärkt wird. Bei

00:07:17: einer Story, die im Prinzip allumfänglich beschreibt, kann man natürlich sagen, ja,

00:07:22: das habe ich nicht entwickelt oder das habe ich so und so entwickelt, weil das steht ja so in

00:07:26: der Story oder eben nicht. Also man nutzt die Story. Das meine ich nicht im aktiven Nutzen,

00:07:33: aber eine Story verleitet eventuell dazu, dann gar nicht mehr zu reden und alles, was da drin

00:07:38: steht, als gegeben anzunehmen. Im Sinne von, na ja, da hat sich einer schon ganz viele Gedanken

00:07:44: gemacht und da steht eben genau das nicht drin. Warum sollte ich jetzt nochmal nachfragen? Soll

00:07:49: es nicht besser so sein? Und bei einer sehr simplen Story ist man ja systemimmanent, sage ich mal,

00:07:58: ja, gezwungen, ja, selber zu überlegen, was kann da wohl mit gemeint sein? Da muss ich nochmal

00:08:05: nachfragen. Und das kann dazu führen, dass es einfach mehr Ownership gibt. Was man als Nachteil

00:08:11: sehen kann für so minimalistische Storys ist sicherlich, hatte ich vorhin schon mal kurz

00:08:18: angedeutet, Verlust von Informationen oder ich muss Informationen woanders her haben,

00:08:23: denn ich brauche ja, ich bleibe jetzt einfach bei diesem Beispiel, die API-Doku, da kann ich

00:08:28: nicht drüber reden. Also muss irgendwo zu der Story oder zu dem Projekt natürlich irgendeine

00:08:35: Art von Informationspool sein. Also bei uns wäre das Confluence, das kann auch irgendwie ein

00:08:40: File-Server sein oder was auch immer ihr nutzt, aber es gibt natürlich fachliche Informationen,

00:08:46: die irgendwo zur Verfügung stehen müssen. Das ist natürlich schön, dass man das gleich in

00:08:50: Jira machen kann. Das wäre natürlich jetzt mit so einer extrem schmalbrüstigen Variante von

00:08:55: der Story, wenn sie nur auf einer Karte steht, schon wieder schwieriger, dann müsste ich mir

00:09:00: irgendwie überlegen, dass ich da eine Indexnummer dran schreibe oder so und im Confluence finde ich

00:09:04: dann eine Seite zu dieser Indexnummer. Irgendwas in dieser Art müsste man sich dann halt überlegen.

00:09:09: Das zweite, Jira ist natürlich auch eine gewisse Art von Dokumentationspool, je nachdem wie man es

00:09:16: dann nutzt. Das heißt, Leute, die nicht direkt im Projekt beteiligt sind, also vielleicht kommt

00:09:21: eine neue Kollegin ins Team, hätten halt mit minimalistischen Storys überhaupt keine Möglichkeit,

00:09:27: wirklich nachzuvollziehen, was ist da passiert, es gibt keine Historie, man sieht die Komits nicht,

00:09:32: all das, was Jira halt so kann. Und ja, das ist natürlich dann ein großer Vorteil, wenn man so

00:09:38: Systeme wie zum Beispiel Jira einsetzt und das im Zweifel mit anderen Systemen, wie gesagt,

00:09:43: Git-Komits oder so, auch noch verknüpft. Der nächste Punkt ist, wenn ich dann ein stark

00:09:50: verteiltes System, wenn ich dann ein stark verteiltes Team habe oder mehrere Teams an

00:09:56: einem Produkt arbeiten und die sind verteilt, dann habe ich mit so einer simplen Variante

00:10:02: auch ein Skalierungsproblem. Ich habe auch noch ein ganz anderes Skalierungsproblem,

00:10:06: nämlich dieser permanente Dialog ist halt eine richtig gute Idee, unbestritten, aber mit wem

00:10:12: sprechen die Leute, wenn die immer mit dem gleichen Menschen sprechen, dann ist der natürlich

00:10:17: irgendwann auch ein Flaschenhals. Und insofern muss man das auch in die Waagschale schmeißen,

00:10:21: dass man mit, ja, ich sag mal, detaillierteren Storys auch ein bisschen besser in einer

00:10:28: asynchronen Kommunikation ist. Eine detaillierte Story verhindert ja auch nicht die Kommunikation,

00:10:33: es ist aber so, wie ich vorhin schon gesagt habe, man neigt eher dazu, das, was in der Story steht,

00:10:39: für wahrzunehmen und weniger zu sprechen. Und je detaillierter die Story ist, desto größer ist,

00:10:46: glaube ich, dieser Effekt. Ja, es gibt natürlich noch einen Punkt, der auch relevant sein kann,

00:10:51: nämlich wenn das Unternehmen aufgrund von gesetzlichen Vorgaben oder anderen Rahmenbedingungen

00:10:59: eine Nachvollziehbarkeit auf irgendeine Art garantieren muss, dann ist natürlich eine

00:11:05: elektronische Software, die zum Beispiel eine detaillierte Historie mitführt, die durchsuchbar

00:11:11: ist, die archivierbar ist, ja, viel besser als eine simple Story auf einer Karte. Das ist einfach

00:11:17: ganz klar auch ein Argument. Ja, wie ich ganz am Anfang gesagt habe, ich bin auch nicht mutig

00:11:23: genug, das wirklich einfach mal auszuprobieren. Ich sag jetzt nicht, das ist der einzige Weg,

00:11:29: den man gehen kann. Nur dann macht man nochmal einen großen Schritt in Richtung agiles Arbeiten.

00:11:33: Ich habe ein bisschen rumgeguckt. Es gibt Leute, die sind dieser Meinung. Ich kann das auch

00:11:38: nachvollziehen. Und trotzdem sehe ich bei uns zumindest genügend Rahmenbedingungen, dass ich

00:11:45: sage, ja, die Vorteile einer elektronischen Story und die Vorteile einer etwas ausführlichen Story

00:11:52: überwiegen. Und trotzdem muss es ja nicht schwarz-weiß sein. Und das ist für mich sicherlich

00:11:58: ein Schritt, über den ich ein bisschen mehr nachdenken will. Wie detailliert muss eine Story

00:12:02: sein? Wo finde ich die Grenze zwischen, die ist noch detailliert genug, um zum Beispiel asynchron

00:12:08: zu arbeiten oder auch den Arbeitsprozess im Team nicht zu stören oder zu verlangsamen? Und wo ist

00:12:15: zu viel Information eher hinderlich? Weil ich den Punkt auf jeden Fall sehe, dass eine zu detaillierte

00:12:22: Story ein gewisses Hemmnis für das Sprechen über die Story ist. Und ich rede hier natürlich von

00:12:28: Storys, die ein bisschen gehaltvoller sind. Ich glaube, dass man schon auch ein Potenzial hat,

00:12:35: indem man regelmäßiger über, wo stehen wir bei der Story und was ist wirklich jetzt der Sinn,

00:12:42: welche neue Erkenntnisse haben wir, reden will. Dieses, ja, ich sage mal, Micro-Feedback-Loop,

00:12:49: die will man eigentlich haben. Und ja, wie gesagt, das steht jetzt bei mir zumindest auch

00:12:54: nicht ganz oben auf der Prioritätenliste, aber es ist etwas, wo ich denke, da lässt sich wahrscheinlich

00:13:00: sogar noch was rausholen. Ja, und das soll es dann tatsächlich für heute auch gewesen sein. Wie immer,

00:13:05: kurz und knapp. Mir geht es ja vor allen Dingen darum, ja, ich sage mal, ein Gespräch zu starten,

00:13:11: dass ihr vielleicht dann intern habt, dass ihr vielleicht sogar ein bisschen inspiriert seid.

00:13:15: Das wäre natürlich ganz toll. Da freue ich mich, wie immer, auch auf euer Feedback,

00:13:20: auf all den bekannten Kanälen, die ihr auch in den Shownotes findet. Wie immer habe ich noch eine

00:13:25: ganz große Bitte. Wenn dir die Folge hier gefallen hat, vielleicht hast du schon mehr

00:13:29: gehört und dir gefällt der ganze Podcast, dann teile das gerne mit anderen, teile das mit deinen

00:13:34: Kolleginnen und Kollegen, teile es auf deinen Social-Media-Kanälen. Der Hintergrund ist,

00:13:39: je mehr Leute von dem Podcast erfahren, desto größer wird die Diskussion, desto mehr Themen

00:13:43: kann ich hier aufnehmen und aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Und ja, das kommt,

00:13:48: wenn es gut läuft, dir ja auch wieder zugute. Ich sage auf jeden Fall ganz vielen Dank dafür

00:13:52: und ich sage, habt noch eine ganz tolle Woche und bis zur nächsten Folge bei No Bullshit Agile.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.