NBA85: Agilität vs. Gantt-Chart: Ein unlösbarer Konflikt?
Shownotes
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NBA84: Mein Buch „Agiles Arbeiten in der Praxis“
Mastodon Hashtag AgilePuls
Mastodon Thread „Gantt“
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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen bei No Bullshit Agile. Mein Name ist Thomas.
00:00:06: Regelmäßig spreche ich hier kurz und knapp über Themen rund um agiles Arbeiten.
00:00:10: In der letzten Folge habe ich mein Buch Agiles Arbeiten in der Praxis vorgestellt.
00:00:15: Das ist ein kostenloses Buch, wie der Titel schon sagt, wo ich so meine praktischen Erfahrungen mal runtergeschrieben habe.
00:00:22: Im Prinzip all das, was ich hier auch in den Podcast-Folgen gesprochen habe und ein bisschen mehr.
00:00:29: Wenn dich das interessiert, dann findest du den Link dazu in den Shownotes.
00:00:34: In der heutigen Folge möchte ich gerne ein Thema aufgreifen, das in einer sehr schönen Mastodon-Diskussion aufgetaucht ist.
00:00:41: Nämlich, ganz grob gesagt, klassisches Projektmanagement wird immer benötigt, selbst wenn die Umsetzung des Projekts agil ist.
00:00:53: Bevor wir damit anfangen, aber ein bisschen Housekeeping.
00:00:56: Ich habe angefangen auf Mastodon jeden Freitag eine kleine Zusammenfassung zu schreiben zu den,
00:01:01: ja ich sag mal Top-Themen aus der agilen Community.
00:01:05: Du findest das immer unter dem Hashtag AgilePulse.
00:01:09: Auch den Link zum Hashtag, den packe ich dir in die Shownotes.
00:01:14: Ja, wenn dich das interessiert, schau da gerne rein.
00:01:17: Gut, dann würde ich sagen, wir steigen mal in das Hauptthema ein.
00:01:20: Also, es gab im Prinzip durch eine Diskussion übrigens unter anderem angeschubst durch genau diese Wochenzusammenfassung AgilePulse.
00:01:31: Ja, eine Diskussion, wo es zwei grundsätzliche Positionen gab.
00:01:35: Angefangen hat das Ganze über das Thema Gantt-Diagramm, aber schlussendlich meiner Meinung nach ging es in der Diskussion darum,
00:01:42: dass es auf der einen Seite die Position gab, egal welches Projekt du machst und egal wie du es umsetzt,
00:01:50: es braucht immer ein Projektmanagement darüber, das den Entwicklungsprozess steuert.
00:01:59: Wir brauchen Ziele, wir brauchen einen Plan und entsprechend eine Steuerung.
00:02:05: Gantt-Diagramm ist halt ein Teil dieser Steuerung.
00:02:08: Also im Gantt-Diagramm plane ich ja Phasen des Projekts und definiere entsprechend auch, welche Phase abgeschlossen werden muss,
00:02:16: damit die nächste Phase anfängt und dann stehen horizontale Balken, die zeitlich voneinander abhängen.
00:02:23: Das sieht halt sehr nach Wasserfall aus und das ist es ja im Zwerhwitz-Fall auch.
00:02:28: Ich war eher auf der Seite zu sagen, naja, Agilität, agiles Arbeiten, auch hier wieder, egal welche Methode,
00:02:37: beinhaltet schon Projektmanagement und wir reden auf zwei verschiedenen Ebenen.
00:02:43: Wir können nicht planen, da komme ich gleich auch nochmal drauf, warum das nicht möglich ist,
00:02:47: wenn wir in einem bestimmten Projektumfeld sind.
00:02:51: Und ja, wie gesagt, also die Meinungen waren sehr klar auf beiden Seiten
00:02:57: und ich will gerne mal erläutern, warum ich glaube, dass es eben kein klassisches Projektmanagement braucht,
00:03:07: wenn wir denn in einem bestimmten Umfeld sind.
00:03:10: Ja, und um das ein bisschen besser zu erläutern, fange ich mal an, jetzt Modelle zu benutzen.
00:03:17: Und ein Modell ist eben die Stacy Matrix.
00:03:20: Das zeigt eigentlich ganz gut, dass es verschiedene Arten von Projekten gibt.
00:03:27: Wie können wir uns die Stacy Matrix vorstellen?
00:03:30: Wir haben auf der Y-Achse Anforderungen und die Anforderungen, die unten auf der Y-Achse sind,
00:03:39: die sind relativ klar und je weiter ich nach oben komme, desto unklarer werden die Anforderungen.
00:03:46: Auf der X-Achse habe ich den Lösungsweg und auch da ist es so,
00:03:52: ganz links ist der Lösungsweg sehr klar
00:03:55: und je weiter ich nach rechts komme, desto unklarer wird der Lösungsweg.
00:04:00: Ich teile also meine Projekte ein in zwei Dimensionen, die Klarheit der Anforderungen und die Klarheit der Umsetzung dieser Anforderungen,
00:04:09: also des Lösungswegs und dann habe ich ganz unten links einfache Projekte.
00:04:14: Da ist die Anforderung klar und der Lösungsweg klar.
00:04:19: Keine Ahnung, einfachstes Beispiel, ein Logo soll getauscht werden auf einer Webseite.
00:04:26: Und je weiter ich jetzt nach rechts oben in diesem Diagramm komme,
00:04:32: desto schwieriger, sage ich jetzt erstmal für Allgemeinheit, werden diese Projekte.
00:04:38: Also das geht dann, wie gesagt, von ganz einfach über kompliziert zu komplex bis hin ganz oben rechts.
00:04:46: Die Anforderungen sind unklar und der Lösungsweg ist unklar, sagt man sehr oft, ins Chaotische.
00:04:53: Und wenn man sich dieses Bild vor Augen führt, das ist im Podcast immer ein bisschen schwer,
00:04:58: dann sieht man, dass es eben unterschiedliche Arten von Projekten gibt.
00:05:05: Vielleicht gibt es Projekte, wo die Anforderungen nicht ganz klar sind,
00:05:11: aber der Lösungsweg ist jetzt nicht komplett unklar.
00:05:16: Wir haben Ähnliches vielleicht schon mal gemacht und können schon ableiten,
00:05:21: okay, dann wird es ungefähr in diese Richtung gehen.
00:05:24: Und dann müssen wir natürlich den Weg gehen, dass wir sagen,
00:05:29: okay, wir müssen uns den Lösungsweg Schritt für Schritt erarbeiten.
00:05:34: Und das ist was ganz anderes, als wenn die Anforderung klar ist und der Lösungsweg klar ist.
00:05:41: Das klassische Projektmanagement kommt ja ganz ursprünglich mal aus dem Schiffsbau.
00:05:47: Bau ein Schiff, das habe ich vielleicht sogar schon mal gebaut.
00:05:50: Dann plane ich dieses Schiff, was es alles können soll.
00:05:54: Dann plane ich, wie es gebaut wird und welche Materialien ich brauche.
00:05:58: Und anhand dieser Fakten kann ich im Prinzip ermitteln, wann ist das Schiff fertig.
00:06:03: Und dann ermittle ich einen kritischen Pfad.
00:06:06: Also was auf all den Dingen, die wir tun müssen, sind die kritischen Dinge,
00:06:11: die vielleicht am längsten dauern.
00:06:12: Und kann jederzeit gucken, bin ich noch innerhalb dieses kritischen Pfads.
00:06:18: Zeitlich gesehen zum Beispiel.
00:06:20: Und dann kann ich, wenn ich feststelle, ich hänge im Zeitplan, sagen,
00:06:24: okay, ich besorge mir drei mehr Leute, die Metallplatten an die Schiffswand schweißen können.
00:06:30: Und dann sind wir schneller.
00:06:32: Und da ist ein bisschen die Voraussetzung drin, dass diese Schweißtätigkeit ja alle gleich gut sind im Schweißen.
00:06:40: Und dann kann ich so ein Projekt auf dieser Ebene managen.
00:06:44: Ich würde aber sagen, so ein Schiffsbau, so wie ich jetzt das gerade skizziere,
00:06:49: da ist die Anforderungen eher klar und auch der Lösungsweg eher klar.
00:06:53: Wir sind also eher unten links in dieser Stacy-Matrix.
00:06:56: Wenn wir eine Softwareentwicklung haben, ist es oft so,
00:07:00: dass selbst die Anforderungen nicht klar sind.
00:07:03: Viele behaupten, die sind klar.
00:07:05: Aber wir alle wissen, während wir dann entwickeln,
00:07:09: ja, kommen wir in den Dialog, wir denken mehr über das Projekt nach.
00:07:13: Und dann stellen wir fest, ah, die Anforderungen waren nicht gut.
00:07:15: Wir brauchen eine andere Anforderung oder eine Veränderung.
00:07:18: Und das gleiche gilt dann für den Lösungsweg.
00:07:20: Und das bedeutet eben, ganz fundamental, je nachdem, in welchem Umfeld ich arbeite und was ich mache,
00:07:27: Unterschiede in Projekten.
00:07:29: Und das zeigt eben die Stacy-Matrix sehr schön.
00:07:32: Und in der Mastodon-Diskussion hat mir diese Ebene halt einfach gefehlt.
00:07:38: Wir sagen einfach Projekt, aber wir kommen gar nicht zu der Definition, was ist ein Projekt und ganz konkret, in welchem Umfeld ist dieses Projekt.
00:07:47: Der nächste Punkt, den man machen kann, da hilft uns dann das magische Dreieck im Projektmanagement.
00:07:54: Wieder ein ganz schönes Bild.
00:07:56: Ich versuche das auch hier einmal zu erklären.
00:08:00: Wir haben in einem Projekt eigentlich drei Parameter, vielleicht einen versteckten vierten, der das Projekt bestimmt.
00:08:08: Das ist die Zeit, die mir zur Verfügung steht.
00:08:11: Das Budget, das mir zur Verfügung steht.
00:08:14: Und der Projektumfang.
00:08:16: Welche Features brauche ich für das Projekt?
00:08:18: So.
00:08:19: Und der versteckte Parameter ist vielleicht die Qualität.
00:08:23: Also, man kann sich schon vorstellen, je nachdem, wie man jetzt Zeit, Budget und Umfang verändert,
00:08:29: kann unter anderem zum Beispiel auch die Qualität leiden.
00:08:32: Und im klassischen Projektmanagement wird davon ausgegangen, dass Zeit und Budget fest sind.
00:08:40: Also, in sechs Monaten mit so und so viel tausend Euro muss das Projekt fertig sein.
00:08:48: Und wir haben als einzige Variable den Umfang.
00:08:53: Also, was alles machen wir?
00:08:55: Und die Idee ist zu sagen, wir planen mit den verbindlichen Elementen Zeit und Budget,
00:09:05: welcher Umfang jetzt möglich ist und schreiben das runter.
00:09:10: Dann entsteht eben ein Pflichtenheft und der Auftragnehmer schreibt sein Lastenheft dazu.
00:09:14: Und die Idee ist so lange gut, wie wir in der Stacy Matrix, Matrix,
00:09:21: ja, ich sag mal eher unten links sind, in dem klareren Umfeld.
00:09:25: Und was auch in solchen Projekten natürlich immer passiert,
00:09:30: auch da wird oft festgestellt,
00:09:34: Mist, die Anforderung ist doch anders, als wir gedacht haben.
00:09:39: Und dann kommt man in solchen Projekten sehr schnell in so einen Change-Prozess.
00:09:43: Ja, wir brauchen doch mehr Geld, ja, wir brauchen doch mehr Geld und Projekt wird zeitlich verzögert und so weiter und so fort.
00:09:49: Das ist diese, ja, das klassische Dreieck.
00:09:53: Im agilen Arbeiten dreht sich dieses, ja, magische Dreieck jetzt um.
00:10:00: Wir stellen das auf den Kopf.
00:10:02: Wir stellen das auf den Kopf.
00:10:02: Zeit, also zum Beispiel Iteration und Budget, zum Beispiel in Sprintgrößen oder Teamgrößen, die sind jetzt fest.
00:10:14: Variabel ist jetzt der Umfang.
00:10:16: Wir fragen nicht, wie lange brauchen wir für all diese Features.
00:10:22: Wir fragen, welches wertvollste Feature können wir in der vorgegebenen Zeit und mit dem gegebenen Team umsetzen.
00:10:33: Und wir schneiden die Features so, dass die wichtigsten auf jeden Fall in diesem Rahmen erledigt werden.
00:10:42: Und wir akzeptieren, dass wir auf diesem Weg Dinge dazulernen und die Reihenfolge der Features und, ja, ich sag mal, der Gehalt der Features sich natürlich ändern kann.
00:10:52: Das ist halt einfach ein ganz anderer Ansatz als im klassischen Projektmanagement.
00:10:57: Und der ist auch nötig aufgrund, ja, des Projektumfelds, ne.
00:11:03: Verweis nochmal auf die Stacy Matrix.
00:11:05: Der Lösungsweg ist vielleicht nicht so klar.
00:11:08: Die Anforderungen sind vielleicht nicht so klar.
00:11:11: Vielleicht sogar eine Kombination aus beiden.
00:11:13: Und dann ist dieses Vorgehen eben besser.
00:11:16: Und wenn ich so ein Vorgehen habe, kann ich nicht am Anfang vom Projekt ein Gutschart malen.
00:11:23: Wie auch, ne.
00:11:24: Und ich glaube, das ist so ein ganz großer Teil in dieser Diskussion gewesen.
00:11:29: Ja, und wie gesagt, ich wollte da einmal drauf eingehen.
00:11:33: Ich denke, das ist ganz nett, da nochmal zu reflektieren und drüber nachzudenken.
00:11:36: Ich denke einfach, wenn man ein Projekt vor sich hat, muss man halt tatsächlich gucken.
00:11:42: Und ich glaube, das tun einfach auch ganz viele aus dem Bauch heraus allein schon.
00:11:46: Was ist das für ein Projekt?
00:11:48: Ist das einfach?
00:11:49: Ist das komplex?
00:11:49: Da hilft uns dann die Stacy Matrix.
00:11:51: Uns sind das ein bisschen, ja, als Modell geistig nochmal, ja, präsent zu machen.
00:11:56: Und dementsprechend wählen wir unser Vorgehen.
00:12:01: Und wir wissen aufgrund des magischen Dreiecks, welche Parameter wir zur Verfügung haben.
00:12:08: Ja, um eben das zu erfüllen, was die Anforderung ist.
00:12:12: Oder um das zu erfüllen, was der Kunde wirklich braucht.
00:12:15: Einen echten Wert eben zu schaffen, ne.
00:12:17: Ja, und das soll es dann tatsächlich für heute auch gewesen sein.
00:12:22: Kurze Knapp wie immer.
00:12:23: Ich hoffe, dir hat das hier gefallen.
00:12:25: Wenn dir das gefallen hat, freue ich mich darüber, ja, wenn du das teilst, ne.
00:12:29: Wenn du Kolleginnen oder Kollegen Bescheid sagst, hier, hör da mal rein, das ist ganz interessant.
00:12:34: Wenn du es auf Social Media teilst, das wäre alles ganz toll.
00:12:38: Und ja, wie gesagt, das soll es dann für heute gewesen sein.
00:12:41: Habt noch eine ganz tolle Woche.
00:12:43: Und bis zum nächsten Mal bei No Bullshit Agile.
00:12:46: Bis zum nächsten Mal bei No Bullshit Agile.
00:12:52: Vielen Dank.
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