NBAK02: Das Agile Manifest - Immer noch die Basis
Shownotes
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- Diese Folge ist Teil einer Serie "No Bullshit Agile Kompakt". Eine Übersicht über alle Folgen findest du hier: https://no-bullshit-agile.de/nba-kompakt-alle-folgen.html
- Letze Folge "NBAK01: Gute Software schnell liefern" https://no-bullshit-agile.de/nbak01-gute-software-schnell-liefern.html
- Die vier Werte des Agilen Manifests – kurz erklärt
- Warum Frameworks das Fundament verdecken
- Gedankenexperiment: Das Manifest als ökonomische Strategie
- Agiles Manifest: https://agilemanifesto.org/iso/de/manifesto.html
- Buch: „Agiles Arbeiten in der Praxis" – https://no-bullshit-agile.de/buch.html
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- NBA Kompakt – ein Thema, fünf Minuten, klare Meinung.
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00:00:00: Hallo und herzlich willkommen bei NoBullshitAgileKompakt. Mein Name ist Thomas.
00:00:04: In der letzten Folge habe ich hier über einen meiner Lieblingssätze gesprochen, nämlich
00:00:10: gute Software schnell liefern. Hör da gerne mal rein, wenn dich das interessiert.
00:00:15: Heute soll es tatsächlich, wie du im Titel wahrscheinlich schon gesehen hast, um das Agile Manifest gehen.
00:00:22: Und stell dir mal selber die Frage, wann hast du das Agile Manifest das letzte Mal gelesen?
00:00:29: Nicht, wann hast du das letzte Mal von gehört, sondern wann hast du es dir bewusst angeguckt?
00:00:34: Und ich vermute einfach, die meisten von euch kennen wahrscheinlich den Scrum Guide und die
00:00:39: kennen ihn wahrscheinlich besser als das Agile Manifest. Und für mich ist es so, dass das
00:00:44: Manifest halt heute noch gilt und dass es einfach eine gute Basis ist, um über agiles Arbeiten
00:00:51: im Team zum Beispiel mal zu sprechen. Vielleicht kurz das Setting nochmal erklärt, woher kommt das
00:00:58: Agile Manifest? Wann ist es entstanden? Also, es gab ja so eine Bewegung aus dem klassischen,
00:01:05: der klassischen Softwareentwicklung, Wasserfallmodell.
00:01:08: Haben viele Leute schon erkannt, irgendwie funktioniert das so nicht in Softwareprojekten.
00:01:15: Und es gab, bevor es das Agile Manifest gab, XP, Extreme Programming, es gab tatsächlich auch
00:01:21: schon Scrum. Und irgendwann mal 2001 haben sich so ein paar Vordenker in Utah tatsächlich in
00:01:29: so einem Skiresort getroffen. Die haben gesagt, ey, lass uns mal zusammensetzen und gucken, ob wir
00:01:33: Gemeinsamkeiten finden, ob wir irgendeine Art finden, zu kommunizieren, was wir eigentlich sagen
00:01:39: wollen mit unseren Methoden, die wir vielleicht sogar schon benutzen. Und daraus entstanden, ist eine ganz
00:01:45: interessante Geschichte, ist dann eben schlussendlich das Agile Manifest. Und das Manifest zeichnet
00:01:52: meiner Meinung nach eben aus, dass es so kurz und knackig ist. Schlussendlich stehen da halt vier Werte.
00:01:59: Und ich will die gerne einmal kurz durchgehen und würde dich einfach bitten, dies sie doch auch nochmal
00:02:04: in Ruhe durch. Ich mache das hier natürlich auf Deutsch. Der erste Wert, der da steht, lautet
00:02:11: Individuen und Interaktion über Prozesse und Werkzeuge. Wichtig ist wirklich diese Formulierung
00:02:18: über. Also jedes Mal die Formulierung links steht was und das geht über das, was rechts steht. Das
00:02:25: bedeutet eben nicht, rechts ignorieren. In diesem Fall eben Individuen und Interaktionen sind
00:02:31: wichtiger, gehen über Prozesse und Werkzeuge. Das bedeutet, wir wollen uns nicht hinter einem
00:02:37: Prozess verstecken, sondern wir wollen direkt miteinander reden. Wir wollen nicht stur uns an
00:02:45: Tools festhalten. Welches Tool fällt mir jetzt sofort ein? Dir vielleicht auch? Jira. Jira hat ein
00:02:51: Verständnis von agilen Arbeiten, das an manchen Stellen vielleicht richtig ist, aber an vielen einfach
00:02:57: nicht. Und es wäre fatal zu sagen, aber Jira macht das so und deswegen geht hier Diskussionen an der
00:03:05: Stelle abbrechen. Genau, das ist das erste. Individuen und Interaktionen über Prozesse und Werkzeuge.
00:03:12: Das zweite lautet funktionierende Software über umfassende Dokumentation. Hier geht es eben darum zu sagen,
00:03:21: okay, was wollen wir eigentlich liefern? Was schafft denn Wert? Das ist eben ein Inkrement aus der
00:03:27: Software, ein Wert, der das Produkt ein Stück besser macht. Und natürlich ist Dokumentation auch ein
00:03:34: wichtiges Ding, aber es ist wichtiger, ein Stück Software in Produktion zu bringen. Ihr seht an diesen beiden
00:03:42: und auch an den nächsten beiden Werten schon, woher die kommen, warum das so aufgeschrieben wurde. Wie
00:03:48: gesagt, kurzer Reminder, wir sind so 2001 und es gibt schon länger, 10 Jahre, 15 Jahre erste Ansätze zu
00:03:56: versuchen, agiler zu werden, ohne dass das Wort so schon bekannt ist. Und in dieser Zeit davor war es eben
00:04:04: so, dass super viel vorgegeben wurde, weil die Idee war, wenn man alles definiert und alles vorgibt, dann kann
00:04:13: ja hinten nur noch das Richtige rauskommen. Und heute wissen wir eben ja, das funktioniert so nicht. Das wussten
00:04:18: die halt damals, Gänsefüßchen, auch schon. Und deswegen, eine Dokumentation ist eine schöne Sache, aber viel
00:04:25: wichtiger ist es ja, funktionierende Software zu schaffen. Projekte waren damals oft, oft, oft so, dass sie gar nicht aus der
00:04:32: Phase der Planung rausgekommen sind, sondern dann schon zum Beispiel so teuer geworden sind, dass man sie
00:04:37: abgebrochen hat. Und man hat nie richtige Software auf die Straße gekriegt.
00:04:42: Genau. Der dritte Wert, Zusammenarbeit mit dem Kunden, geht über Vertragsverhandlungen. Also, wir wissen, wir lernen im
00:04:52: Projekt. Kunden lernen ja auch im Projekt. Und wenn wir denken, das war vor drei Monaten mal sinnvoll, heißt das noch
00:04:59: lange nicht, dass es heute auch noch sinnvoll ist. Also, wir wollen eigentlich lieber gucken, okay, wir haben so viel
00:05:05: gelernt, lass uns das mal ein bisschen verändern, egal, was mal im Pflichtenheft stand. Und der vierte Wert, oder ja, der vierte
00:05:12: Wertepaar ist, reagieren auf Veränderungen geht über Befolgen eines Plans. Das ist ja mein ganz großes Mantra.
00:05:20: In der agilen Arbeit planen wir permanent. Es gibt nicht den einen Plan und dann sind wir drei Monate weg und halten uns
00:05:27: an dem Plan oder sechs Monate, sondern eigentlich wollen wir permanent planen. Wir tun das im Daily zum Beispiel, wir tun das
00:05:34: im Refinement, wir tun das in der Retro. Es gibt so viele Stellen, die eigentlich schon vorgesehen sind für dieses Plan.
00:05:40: Und das bedeutet eben, wenn man permanent plant, muss man auch bereit sein, einen bestehenden Plan zu verändern
00:05:45: und auch mal loszulassen.
00:05:47: Genau. Also, ganz wichtig, das sind eigentlich die Fundamente und meiner Meinung nach gelten die einfach heute auch noch
00:05:55: nach 25 Jahren. Und ich finde, es ist ein guter Startpunkt, darüber zu diskutieren.
00:06:01: Wenn ihr mal in einem Team an einem bestimmten Punkt seid und euch nicht sicher seid, also ich hatte ja vorhin dieses Jira-Beispiel,
00:06:07: schaut doch einfach mal ins Agile Manifest. Das gilt meiner Meinung nach heute auch noch.
00:06:13: Ich habe so ein bisschen das Gefühl, dass es keiner mehr so richtig kennt, weil das so verdeckt ist von Tools und Methoden,
00:06:21: die oben drauf sind. Also die Methode Scrum. Ich will jetzt nicht Scrum angreifen, aber die Leute kennen mehr den Scrum Guide,
00:06:29: als sie das Agile Manifest kennen. Und ja, wie gesagt, Toolings, dass wir so haben, Diskussionen, die wir führen,
00:06:37: gehen meistens gar nicht so richtig runter auf das Fundament.
00:06:40: Und wenn man das Agile Manifest nicht kennt, dann ist das eigentlich ein ganz guter Nährboden für das, was man so Cargo-Kult agil nennt.
00:06:49: Also man armt etwas nach. Agil in diesem Fall.
00:06:53: Da gehe ich übrigens in der Folge 6 noch mal ein bisschen genauer drauf ein.
00:06:58: Ansonsten habe ich noch tatsächlich mal mir Gedanken gemacht, was waren das für Leute, die da zusammengesessen haben und in welcher Situation waren die?
00:07:07: Und dazu habe ich so ein kleines Gedankenexperiment.
00:07:10: Was ist denn, wenn das Agile Manifest eine ökonomische Strategie ist, wenn es gar nicht darum geht, dass wir ein gutes Arbeitsumfeld haben?
00:07:20: Da werde ich in der Folge 7 drüber sprechen.
00:07:22: Und ja, kurz und knapp, das ist ja genau die Philosophie hier hinter No Bullshit Agile Compact, soll es das auch schon gewesen sein.
00:07:32: Wie immer freue ich mich auf ein Feedback, wie immer freue ich mich auf eine angeregte Diskussion auf Mastodon.
00:07:38: Ihr findet Links in den Shownotes, wie ihr mich erreichen könnt, schaut da gerne rein.
00:07:43: Und ansonsten sage ich, habt noch eine ganz tolle Woche und bis zum nächsten Mal.
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